Der Kampfpanzer 70

Am 1. August, also kurz nach dem Scheitern der gemeinsamen Deutsch – Französischen Panzerentwicklung und kurz nach Beginn der Serienfertigung des Leopard 1, wurde bereits ein Deutsch – Amerikanischen Abkommen über den Bau eines neuen Standart - Kampfpanzers geschlossen. Dieser KPz, Kampfpanzer 70 oder auch MTB 70 (Main Battle Tank) genannt, sollte in der Bundeswehr die M 48 KPz und bei der US Army die M 60 KPz ablösen.

In Deutschland vermutete man das der Leopard 1 bereits in den 70er Jahren veraltet sei, was besonders interessant ist, wenn man sieht das die letzten Leopard 1 die Bundeswehr erst 2003 verlassen werden. Immerhin ein Unterschied von 30 Jahren. Man wollte mit dem KPz 70 und dem Leopard 1 zwei KPz bei der Bundeswehr haben, um damit jeweils 2 Generationen von KPz zu besitzen, wobei die ältere jeweils durch eine neuere ersetzt werden sollte, ein Prinzip, welches man dann auch mit dem Leopard 2 verwirklichte, aber wo ist der Nachfolger des Leopard 2? 

Auf jeden Fall wurde in den USA die Firma Allison, welche zum GM Konzern gehört und in Deutschland die Firmen Rheinische Stahlwerke, Krauss – Maffei, Keller & Knappisch, Atlas Mak und einige kleinere Firmen mit der Entwicklung des KPz 70 beauftragt, wobei die Zusammenarbeit insgesamt als gut zu bezeichnen war.

Der KPz 70 sollte sich dabei grundlegend von allen bis dahin erschienen KPz unterscheiden und einen Meilenstein in der Kampfpanzerentwicklung darstellen. Als technische Besonderheiten sind hierbei zu nennen:

- Schottpanzerung

- Stabilisierte Optik mit nachgeführter Bordkanone

- Eine Bordkanone mit der sowohl Patronenmunition, wie auch Lenkflugkörper verschossen werden sollten

- Hochleistungstriebwerk und Getriebe

- Höhenverstellbares hydropneumatisches Fahrwerk

- Integrierte Feuerleitanlage

- Passive Nachtsichtgeräte (WBG)

- 3 Mann Besatzung mit Automatiklader

- komplette Besatzung inklusive Fahrer im Turm untergebracht

- Klimaanlage

- Bis hin zur chemischen Toilette im Kampfraum

Wie man an Hand der umfangreichen Forderungen erkennt, wäre der KPz 70 ein technisches Wunderwerk und ein „eierlegende Wollmilchsau“ geworden. Die Kosten waren dabei erheblich höher als man zuvor angenommen hatte.

Im Oktober 1967 erfolgte schon die Vorstellung der ersten Prototypen in Augsburg bei der Firma Keller & Knappisch. Insgesamt wurden nur 14 KPz 70 gebaut und zwar jeweils 7 von Deutschland und den USA. Die Öffentlichkeit und auch das Fachpublikum zeigen sich vom Wunderpanzer 70 zwar begeistert, jedoch rückten nun auch Fragen bezüglich der Wartung, Bedienung und Kosten des KPz 70 in den Vordergrund. Dabei erkannte man schnell, dass die Anschaffung und vor allem der Betrieb des KPz 70 enorme Kosten verursachen würde.

Auch zwischen Deutschland und den USA gab es inzwischen Uneinigkeiten über die Ausstattung des KPz 70. So wollten die USA unbedingt die 152 mm Kombinationshauptwaffe für Patronenmunition und LFK, um mit dem KPz 70 auf weite Entfernungen wirken zu können, während man in Deutschland eine 120 mm Glattrohrkanone bevorzugte, welche besser für die mitteleuropäischen Gelände geeignet erschien. Auch bezüglich des Antriebs herrschte Uneinigkeit, die USA bevorzugten ihren luftgekühlten Continental Leichtmetall Motor oder auch eine Turbine, während Deutschland den wassergekühlten Vielstoffmotor von Daimler Benz wollte.

Aufgrund der Differenzen und der Bedenken kam man im Dezember 1969 schließlich überein, die gemeinsame Entwicklung des KPz 70 einzustellen. Bis dahin hatten die USA 140 und Deutschland 75 Millionen Dollar in das Projekt investiert.  Jedoch war das Geld nicht verloren vielmehr legte der KPz 70 die Grundsteine für den M1 Abrams auf amerikanischer Seite und den Leopard 2 auf deutscher Seite.  Es wurde beschlossen das schließlich einer dieser beiden Entwürfe in beiden Staaten eingeführt werden sollte, nämlich der bessere Entwurf, dazu kam es jedoch nie. Weiteres dazu in der Beschreibung des Leopard 2.

Der KPz 70 war seiner Zeit weit voraus und insgesamt zu kompliziert und zu teuer. Viele seiner Einzelkomponenten wie z.B. Motor oder auch die BK 120 mm wurden später im Leopard 2 und auch im M1 Abrams   eingebaut und vieles vom KPz 70 ist bis heute nicht verwirklicht worden. Somit ist der KPz 70 sicher ein Meilenstein in der Panzerentwicklung der Nachkriegszeit, wenn auch nur 14 Stück von ihm hergestellt wurden. 

zurück

 

 

Home

E-Mail

Impressum

Zu Favoriten hinzufügen

Werbung

© 2002 - 2010  by panzertruppe.de - optimiert für 1024x768